Die letzten zwei Tage waren durch zwei durchziehende Tiefdruckgebiete geprägt. Das zweite war ein ehemaliges tropisches Sturmtief, das in abgeschwächter Form die Segelroute der ABORA III kreuzte. In der Nacht vom 1. zum 2. August sollte es soweit sein. Der Wetterbericht zeigt uns für unser Seegebiet bis zu 6 Windstärken an, die uns am Abend auch mit ganzer Wucht trafen.

Vorsorglich hatten wir noch in den Abendstunden das Segel abgerefft und das Boot für seine schwere Herausforderung präpariert. Mit abgelassenem Segel und bis zu 4,8 Knoten nach Südosten driftend, reiten wir die bis zu 5 Meter hohen Wellen ab. Während der Ruderwache messen wir mehrfach Windgeschwindigkeiten bis zu 27 kn.

Es ist ein tolles Gefühl, auf einem Wasserfahrzeug zu stehen, das mit der Welle sofort in die Höhe gehoben wird und die Wassermassen schäumend unter sich durch gleiten lässt. Dabei wird es weder hin und her gebeutelt noch neigt es zu bertrieben starkem Krängen. Von den Hunderten Wellen, die uns in dieser Nacht ereilten, schlug nur eine einzige an Bord. Dabei war diese gar nicht besonders groß, sondern brach genau vor unserer Relingrolle, so dass sich die Gischt schäumend aufs Bord ergoss. Ansonsten blieben die Wellen, wo sie hin gehörten, im Meer und die ABORA III oben auf. Allein am 1. August legten wir mit Hilfe des Golfstroms zum ersten Mal 72 Meilen zurück. Die vielen pessimistischen Vorhersagen etlicher Kritiker, die meinen, dass die hohen Aufbauten der ABORA III das Schiff instabil und dabei bei Starkwind nicht segelbar machen, ignorieren aufs schärfste die Praxiserfahrungen von Experimentalarchäologen, die mit prähistorischen Schilfbooten bereits mehrfach die Ozeane überquerten. Die Kritik, dass wir unsere Aufbauten nur aus Bequemlichkeit aufgeschnürt haben, entbehrt ebenfalls jeglicher Grundlagen. Genauso haben Künstler der Jungsteinzeit und im Altertum große besegelte Schilfboote mit hohen Aufbauten dargestellt. Sie waren natürlich bei Sturm für die Crew und für die Unterbringung von Handelswaren vorgesehen. In sofern kann man über die Kommentare einzelner Journalisten, wie unserem ausgeschiedenen Ex-Skipper, nur lachen, der in seiner Fantasie die tollsten Untergangsszenarien erfindet. Diese haben mit den tatsächlichen maritimen Fähigkeiten eines frühgeschichtlichen Schilfbootes nichts im Geringsten zu tun. Sie sind ein Ausdruck für Unwissenheit und Unerfahrenheit gepaart mit der Arroganz des gesicherten Wissens.

Einen Tag nach dem Sturmabenteuer ziehen wir ohne den geringsten Schaden weiter unsere Bahn. Wir wollen die wegen der Flaute verloren gegangene Zeit wieder einholen. Außerdem erwartet uns auf der Rückseite des Tiefs nicht wie gewöhnlich Westwind, sondern ausgeprägte Ostwinde, die schon seit mehreren Wochen unsere Fahrt behindern.

Presseinformation ABORA III (03. August 2007)

Weitere Informationen im Internet unter: www.abora3.de

Kontakt: Dominique Görlitz; 001 201 333 4321 oder dominique.goerlitz@t-online.de