Mit „Ausgegraben“ möchte Mysteria3000 eine neue, unregelmäßig fortgeführte Rubrik präsentieren, um Forschern die an diesem oder jenem Thema dran sind, Recherchehilfen zu geben.

„Ausgegraben“ hat hierbei sicherlich eine doppelte Bedeutung. Zum einen geht es natürlich um Themen der alternativen Archäologie und hier relevanten Relikten. Zum anderen geht es um ältere, kaum bekannte Texte, die quasi „ausgegraben“ werden um sie Interessierten zugänglich zu machen.

Es geht hier auch weniger um eine inhaltliche Diskussion von derlei Texten, als lediglich einer inhaltlichen Wiedergabe.

Den Anfang macht der Aufsatz ‚Chinesische Ideogramme in Amerika‘ von Erich M. v. Hornborstel, der 1930 in der Zeitschrift Anthropos veröffentlicht wurde.

In diesem diskutiert der Autor eine Bilderschrift der in Panama beheimateten Cuna-Indianer. Besagte Bilderschrift wurde für magische Heilgesänge der Zauberärzte verwendet und Hornborstel fügt hinzu, dass selbst der Schrift an sich eine Zauberwirkung zugesprochen wird (S. 953).

Aufgrund ihrer Struktur wird hier keine Ableitung anderer mexikanischer Schriftsysteme vermutet, sondern eine noch frühere, einfachere Variante vermutet (S. 954). Hornborstel sieht schon in anderen Kulturauswüchsen Mittel- und Nordamerikas Einflüsse die ostasiatischen Ursprungs zu sein scheinen, so etwa die Zuordnung von Farben und Elemente nach den Kardinalpunkten (Himmelsrichtungen).

Als Beispiel führt er die Zaubergesänge der Cuna an, die in verschiedene auf unterschiedliche Achsen gelegte Teile gegliedert sind. Ähnlich wie im altchinesischen Lo Shu die 8 Zeichen nach Haupt- und Nebenrichtungen geordnet wurden (S. 954).

Auch in weiteren Beispielen von Zahlensymbolik glaubt Hornborstel hier Ähnlichkeiten zu chinesischen und anderen asiatischen Weltbildern zu erkennen. Es werden zum Beispiel Parallelen zwischen dem Acualel-Text der Cuna und dem sumerischen Gedicht von Ishtars Höllenfahrt gezogen. Beide Texte sprechen von verschiedenen Ebenen der Unterwelt, die von Dämonen bewohnt sind (S. 955).

Als Hauptargument für aus China übernommene Einflüsse führt er aber die Bilderschrift an sich an, die, so Hornborstel:

„…nicht gut anders erklären denn als direkt übernommene altchinesische Ideogramme.“ (S. 956)

Anhand verschiedener Ideogramme, die sowohl inhaltlich als auch bildlich in Bezug zu chinesischen Äquivalenten gestellt werden, wird auf den folgenden Seiten versucht, diese These zu untermauern.

In seinem Fazit vermutet Hornborstel weiter, dass eine chinesische Wanderbewegung zur Chou-Zeit im ersten vorchristlichen Jahrtausend zur Befruchtung amerikanischer Kulturen durch die chinesische Schrift geführt haben kann und womöglich sogar die Osterinsel, in deren Rapanui-Ideogrammen er ebenfalls formale Ähnlichkeiten zu erkennen glaubt (S. 959 f.).

Literatur

Bornborstel, Erich M. v.: Chinesische Ideogramme in Amerika. In: Anthropos. Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachkunde. Band XXV, Wien 1930