Das Wetter meint es wirklich nicht gut mit der ABORA III Expedition. Innerhalb von einer Woche wurde das Schilfboot von zwei schweren mehrtägigen Stürmen heimgesucht, die beide Orkanstärke erreichten. Angefangen hatte alles am 21. August.

Der Expeditionsleiter Dominique Görlitz fasst die Ereignisse nach dem ersten Sturm zusammen:

„Eigentlich sollte uns in jener Nacht ein kleines Tief mit nur 5 Windstärken treffen. Aus Erfahrung klug geworden, dass es der Wind mit diesen Vorhersagen nicht immer so genau nimmt, hatten wir unser Segel teilweise gerefft. Doch was harmlos anfing, entwickelte sich in der Nacht zu dem heftigsten Wetter, das die ABORA III bisher zu überstehen hatte. Bis zu 50 kn Wind, das ist Windstärke 10, prasselten auf uns hernieder. Mit Sturmsegel und geschicktem Trimm parierte unsere ABORA III ohne nennenswerte Schäden. Lediglich am Heck hatten die Wellen an der Steuerbordseite die Schilfmatte zerrissen und begonnen Schilf hinter der Spirallasching herauszuspülen. Alle anderen Teile der Takelage blieben unbeschädigt.“

Bei der Reparatur der Lasching zeigte die Crew eine Menge Erfindungsreichtum, denn sie fand eine Menge geeignetes Material, das sie an Stelle der Schilfmatte zum Schutz einbanden. Gleichzeitig beobachtete man eine Lockerung der Spirallasching am Heck, so dass man den ganzen Tag nach dem Sturm das Boot auf Vordermann brachte. Wie nach jedem Tief wurde die ABORA III von kräftigen Ostwinden getroffen, was sie auf einen südöstlichen Kurs zwang. Dies sollte sich nur einen Tag später als göttliche Fügung erweisen.

Auf ihrem Weg nach Süden segelte die ABORA III durch das breite Band des Golfstroms, der das Segeln am Ostwind unterstützte. Auf diesem SO-Kurs erreichte die ABORA III bei ungefähr 0,7 Knoten Strömung Kurse bis 76Grad über Grund gegen den Wind. Das sind die besten Segelergebnisse, die man bisher auf der Seereise gemessen hatte. Natürlich sind solche Gegenwindkurse nur mit der Strömung möglich, aber genau diesen Effekt haben die Prähistoriker ausgenutzt, um bei ungünstigen Wettersituationen mit ihren Seefahrzeugen Kurs zu halten. Alle Daten wurden mit modernster Navigationstechnik geloggt und beweisen, dass ein Schilfboot ausgestattet mit Seitenschwertern mindestens 76 Grad gegen den Wind segeln kann.

Nur einen Tag nach dem schweren Sturm hat die ABORA III wieder Kurs aufgenommen, da vermeldete sowohl der Deutsche Wetter Dienst (DWD) als auch die amerikanischen Cost Guard eine erneute Sturmwarnung. Sie stellte alle voran bestandenen Wetterereignisse in den Schatten. Ein riesiger Zyklon hatte sich nordöstlich der Azoren unvermittelt entwickelt, der nun Kurs auf die Bahn von ABORA III hielt. Das Tief war so gewaltig, dass es von den Azoren bis in den Mittleren Atlantik reichte. Bereits am Freitag, den 24. August, ging es richtig los. Der DWD hatte uns geraten, so weit wie möglich in den Süden zu segeln, weil sich das Tiefzentrum mit seinen Orkanstärken auf dem 41. Breitengrad austoben würde. Dieses Ziel innerhalb von 24 h umzusetzen, ist bei Ostwind mit einem Steinzeitflofl aufgrund unserer geringen Geschwindigkeit gar nicht so einfach. Dennoch schafften wir es zumindest noch in der Nacht vom Freitag zum Samstag den 40. Breitengrad zu unterqueren.

Kurz vor Sonnenaufgang holte uns der Sturm mit „nur“ 7 Windstärken, dafür aber gewaltigen Wellen, ein. Diese rüttelten über drei Tage bis Sonntagabend an der ABORA III, die diesem Stakkato schutzlos ausgesetzt war. Diesen Naturgewalten fallen zu erst zwei Schwerter und dann das Achtersteven zum Opfer. Schon in den Morgenstunden hatten die Wellen dermaßen am Heck der ABORA III eingeschlagen, dass sich der Expeditionsleiter gezwungen sah, alle notwendigen Dinge vom Heck zu bergen, einschliefllich des noch intakten Steuerruders.

Über zwei Tage segelt die ABORA III nun mit dem Sturmsegel im Westwind treibend in Richtung OSO. Gemeinsam unternehmen die Crewmitglieder jetzt alles, um die ABORA III wieder flott zu bekommen, um die Fahrt weiter fortzusetzen.

Trotz der schwierigen Situation ist die Mannschaft der ABORA III zuversichtlich, die Reise bis zu den Azoren fortzusetzen. Aus allen Richtungen nähern sich endlich die ersehnten Hochdruckgebiete. Sie werden der ABORA III Crew eine Verschnaufpause verschaffen, ihr angeschlagenes Boot wieder seeklar zu bekommen. Man muss sich vor Augen halten, dass man des trotz kleinen Segels seit dem Sturmschaden in nur zwei Tagen bereits wieder 160 Seemeilen in Richtung Ost zurücklegen konnte. Das Wetter ist bis Mittwoch auf jeden Fall günstig. Alle sind optimistisch und wollen so lange wie möglich an ihrem Plan festhalten, weiter zu segeln.

Presseinformation ABORA III (27. August 2007)

Weitere Informationen im Internet unter: www.abora3.de

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Dominique Görlitz; 001 201 333 4321 oder dominique.goerlitz@t-online.de
Michael Gruenert; 00351 912 896 815 oder info@mg-consulting.ie