Rezension des Buches ‚Auf Adams Spuren‘ des norwegischen Forschers Thor Heyerdahl.

„Vielleicht habe ich mehr als andere Forscher auf das gehört, was uns so genannte primitive Völker auf ihre Weise zu sagen versuchen, denn ich bin keinem begegnet, das im tiefsten Inneren primitiver wäre als das andere.“ (Auf Adams Spuren, S. 328)

‚Auf Adams Spuren‘ ist, wie der norwegische Untertitel der Originalausgabe verrät, eine Art „Erinnerungsreise“ Thor Heyerdahls. Der Norweger wurde weltberühmt, als er auf Flößen und Schilfbooten nach antiken Vorbildern quer über die Ozeane reiste, um seine unkonventionellen Theorien experimentell zu untermauern. Die Fahrten mit dem Balsa-Floß Kon-Tiki und den Schilfbooten Ra I, Ra II und Tigris lieferten ein völlig neues Bild von den seefahrerischen Leistungen und Möglichkeiten in der Antike. Heyerdahl zeigte, dass im Altertum Kontakte zwischen den Völkern über die Meere möglich gewesen waren.

In seiner Biographie blickt er noch einmal auf ein bewegtes Leben zurück. Begleitet wird er dabei von seinem ‚Aku-Aku‘. So nennen die Bewohner der Osterinsel den kleinen unsichtbaren Begleiter und Ratgeber besonderer Menschen, den auch er bei seinem ersten Besuch auf der Osterinsel kennen lernen sollte. Der ‚Aku-Aku‘ ist auch ein roter Faden in der Biografie Heyerdahls. Die Erinnerungen des norwegischen Forschers treffen immer wieder auf die Fragen seinen Begleiters, der im Stile eines Journalisten Details aus Heyerdahls Leben erfragt. Mit diesem genialen Stilmittel gelingt es dem Norweger sich selbst die unangenehmsten Fragen zu stellen. Zudem fasziniert und amüsiert das Zusammenspiel zwischen dem ‚Aku-Aku‘ und Thor Heyerdahl den Leser zu gleich.

Die „Erinnerungsreise“ folgt keiner Chronologie der Ereignisse. Wie ein scheinbar wildes Durcheinader erscheinen Erinnerungen. Der Autor folgt dabei seinem Aku-aku, dessen Fragen und Bemerkungen Anlass für bestimmte Rückblicke sind. So beginnt die Reise in einer großen katholischen Kathedrale – während Heyerdahls dritter Hochzeit – inmitten einer islamischen Wüstenstadt in Marokko. Enden wird sie bei den Nordwest-Indianern vor der Küste Britisch-Kolumbiens. Heyerdahl schrieb seine Autobiografie über eine lange Zeit, exakt an den Orten, an denen ihn sein ‚Aku-Aku‘ besuchte und mit auf Ausflüge in die Vergangenheit nahm.

Neben Abstechern zu seinen größten Forschungsabenteuern, gelangt Thor Heyerdahl zu Stationen seiner Jugend auf dem Lande. In Larvik, dem Ort an dem er aufwachsen durfte, entwickelte sich früh seine besondere Liebe zur Natur – Auslöser für sein Studium der Zoologie und Geografie und wohl auch für seinen späteren aktiven Einsatz für den Naturschutz.

Ein weitere Station des „Erinnerungsreisenden“ sind seine Erlebnisse im zweiten Weltkrieg, die den Leser ebenso in den Bann zu ziehen vermögen, wie die Berichte über vergangene Expeditionen. Heyerdahl schildert aus seiner Sicht die Rolle Norwegens in diesem Krieg und beschreibt detailliert seinen eigenen Irrweg an die norwegische Heimatfront.

Der Autor, der sich selbst immer als Wissenschaftler und nicht als Abenteurer gesehen hat, zog lange Zeit die gesamte Kritik der Fachwelt auf sich. In ‚Auf Adams Spuren‘ berichtet er über die Reaktionen auf seine Belege einer Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus sowie der Möglichkeit transkontinentaler Kontakte. Interessant beschreibt Heyerdahl das Aufeinandertreffen mit einer Reihe seiner Kontrahenten. Ein persönliches Gespräch mit seinen Kritikern genügte meist, um sie in ihrer Meinung umzustimmen.

Viele Anekdoten in ‚Auf Adams Spuren‘ zeigen auch, dass Begegnungen mit einer ganzen Reihe außergewöhnlicher Menschen das Leben des Forschers prägten. Auf der einen Seite waren dies die so genannten „primitive Völker“ – so die Bewohner Fatu Hiva’s bzw. das Madan-Volk an der Tigris-Mündung, bei denen er zeitweise leben und dabei ihre Lebensweise kennen lernen konnte. Auf der anderen Seite waren es Persönlichkeiten der letzten fünfzig Jahre – so beispielsweise die norwegische Königsfamilie, Michail Gorbatschow, den er als Berater während der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 begleitete, Fidel Castro, den er mehrmals auf Kuba besuchte und zu dem er einen herzlichen Kontakt aufbauen konnte oder auch der ehemalige peruanische Staatspräsident Alberto Fujimori, der anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Kon-Tiki-Expedition eine Ausstellung im Nationalmuseum von Peru eröffnete.

Wer einen ehrlichen Einblick in das Leben des norwegischen Wissenschaftlers, Forschers und Abenteuers gewinnen will, der kann sich die Autobiografie ‚Auf Adams Spuren‘ nicht entgehen lassen.

Literatur

Thor Heyerdahl: Auf Adams Spuren – Das Abenteuer meines Lebens. Ullstein Verlag. München 2000. ISBN: 3-550-07108-6